Lupine - die Pflanze der Zukunft

Lupinenblüte © Mirko Runge / Saatzucht Steinach <p>© Mirko Runge / Saatzucht Steinach</p> Details anzeigen

Lupine - Alternative für Soja

Lupinenblüte © Mirko Runge / Saatzucht Steinach <p>© Mirko Runge / Saatzucht Steinach</p>

Lupine - Alternative für Soja

Deutschland ist bislang hochgradig Soja-abhängig. Die Bundesrepublik hat 2014 3,7 Millionen Tonnen Sojabohnen und 2,75 Millionen Tonnen Sojaschrot importiert, den Großteil aus Südamerika.

Ob als Milchsubstitut oder Futtermittel für Rinder, Schweine und Geflügel: Unzählige pflanzliche Eiweißprodukte basieren auf Soja. Es verfügt über einen hohen Proteingehalt und ein stabiles Mengenangebot. Dennoch sprechen einige Gründe gegen einen flächendeckenden Einsatz. Die Pflanzen werden einmal um die halbe Welt bewegt. Der Transport verursacht Unmengen an Emissionen, die sich vielfach gar nicht abschätzen lassen. Auch entsprechen die Anbaubedingungen in vielen Erzeugerländern nicht den europäischen Standards. Ein Großteil des Saatgutes ist gentechnisch verändert, zudem steht die genutzte Fläche dann nicht für die Produktion eigener Nahrungsmittel zur Verfügung. Hinzu kommt, dass auch Verbraucherinnen und Verbraucher vermehrt alternativ produzierte Lebensmittel fordern, kommentiert Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern.

Lupine: vieldiskutierte Alternative

Der stärkere Anbau von Eiweißpflanzen kann einen wichtigen Beitrag für eine nachhaltige Landwirtschaft leisten. So haben Leguminosen eine positive Wirkung auf Bodenleben und –Struktur, binden Stickstoff und erhöhen bei vielfältigen Fruchtfolgen die Selbstregulation des Agroökosystems und sind gleichzeitig wertvolle Bienenweiden. Eine vieldiskutierte Alternative ist die Lupine. Lupinen, die sich an ihren blau-violetten, gelben oder weißen kerzenförmigen Blüten erkennen lassen, gehören zur Pflanzenfamilie der Leguminosen und sind mit Ackerbohnen und Erbsen verwandt. Bereits im alten Ägypten, Griechenland und Südamerika galten Lupinensamen als hochwertiges Grundnahrungsmittel. Die natürliche Verbreitung der Blauen Süßlupine erstreckte sich ursprünglich über den Mittelmeerraum und Nordafrika. In Mitteleuropa wurde sie als Zierpflanze eingebürgert und seit Anfang des 19. Jahrhunderts angebaut.

Anbau von Lupine nimmt zu

Lupinenkeimling © Mirko Runge / Saatzucht Steinach <p>© Mirko Runge / Saatzucht Steinach</p> Details anzeigen

Anbau von Lupine

Lupinenkeimling © Mirko Runge / Saatzucht Steinach <p>© Mirko Runge / Saatzucht Steinach</p>

Anbau von Lupine

Der Lupinenanbau nimmt in Deutschland zu, allerdings auf einem sehr niedrigen Niveau. 2013 wurden auf 17.400 Hektar Lupinen angebaut, bis 2015 stieg der Anbauumfang auf 29.800 Hektar an. Das entspricht weniger als ein Prozent der gesamten Ackerfläche der Bundesrepublik. Der Anbau von Eiweißpflanzen schont Ressourcen und ermöglicht eine bessere Öko-Bilanz in der Nahrungsmittelerzeugung. Es gibt somit viele gute Gründe, um die Lupine züchterisch weiter zu entwickeln. Jedoch: Der Lupinenanbau lässt sich aber nicht verordnen wie weiland der Anbau von Kartoffeln beim Alten Fritz, dem Preußenkönig. Der Anbau muss perspektivisch gewinnbringend sein, denn ein Landwirt muss immer auch unternehmerisch denken. Er wird nur Kulturen anbauen, die ihm sichere Erträge und damit ein Auskommen ermöglichen. Für einen Züchter ist die Züchtung einer neuen Sorte nur interessant, wenn er absehbar das Saatgut an einen möglichst großen Kundenkreis verkaufen und damit Einnahmen erzielen kann. Die Lupine hat also in der Bundesrepublik nur eine Zukunft, wenn alle Beteiligten Geld mit dem Anbau verdienen, sonst werden andere Kulturen angebaut.

Eiweißstrategie für nachhaltige Landwirtschaft in MV

Umso wichtiger ist vor diesem Hintergrund die Arbeit des Fraunhofer Instituts für Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV) zu bewerten. Mit einem neuen Verfahren gelang es den Forschern, den bitteren Eigengeschmack der Lupine zu eliminieren und das Lupineneiweiß für die menschliche Ernährung nutzbar zu machen. Damit wurde der Weg frei für neue Produkte, die vor allem für Milchallergiker, Veganer und Kalorienbewusste interessant sein dürften: Pflanzenmilch, Pflanzenjoghurt, Lupinen-Tofu, laktosefreies Speiseeis oder vegane Mayonnaise sind Produkte, die die Palette der Nahrungsmittel erweitern. Auch in Mecklenburg-Vorpommern hat man das Potenzial einheimischer Eiweißpflanzen erkannt. Die Landesregierung forciert seit 2015 im Zuge der „Eiweißstrategie für nachhaltige Landwirtschaft in MV“ die Entwicklung des heimischen Eiweißpflanzenanbaus. Das Agrarministerium fördert unter anderem den Anbau vielfältiger Kulturen auf ökologischen Vorrangflächen im Rahmen der Agrarumwelt- und Klimaschutzmaßnahmen – mit Erfolg: Der Anbau von großkörnigen Leguminosen hat sich 2015 gegenüber den Vorjahren fast verdreifacht. So schwankte dieser in den Jahren 2010 bis 2014 zwischen gut 5.000 ha und knapp 6.200 ha. In 2015 sind nach Schätzungen Landwirtschaftsministeriums M-V auf 15.300 ha großkörnige Leguminosen in das Feld gestellt worden.

Der stärkere Anbau von Eiweißpflanzen leistet einen wichtigen Beitrag für eine nachhaltige Landwirtschaft. So haben Leguminosen eine positive Wirkung auf Bodenleben und –Struktur, binden Stickstoff und erhöhen bei vielfältigen Fruchtfolgen die Selbstregulation des Agroökosystems und sind gleichzeitig wertvolle Bienenweiden. Leider müssen auch wir feststellen, dass die Verwertung der großkörnigen Leguminosen, wie Erbsen, Ackerbohnen, Lupinen und Sojabohnen durch den Landhandel und die Futtermittelunternehmen noch nicht zufriedenstellend ist. Hier sehen wir noch Potential, resümiert Minister Backhaus.

Forschung und Entwicklung

Lupinenschoten © Mirko Runge / Saatzucht Steinach <p>© Mirko Runge / Saatzucht Steinach</p> Details anzeigen

Forschung mit Lupinen

Lupinenschoten © Mirko Runge / Saatzucht Steinach <p>© Mirko Runge / Saatzucht Steinach</p>

Forschung mit Lupinen

Bereits 2013 hat Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister darüber hinaus die Entwicklung eines Modell- und Demonstrationsnetzwerkes zum Lupinenanbau auf den Weg gebracht, das federführend von der Landesforschungsanstalt (LFA) begleitet wird. Damit sind wir das Eiweißkompetenzzentrum des Norden, so Backhaus. Im Demonstrationsvorhaben Lupine werden modellhafte Wertschöpfungsketten unter Federführung der Landesforschungsanstalt untersucht. Die Züchtung, der Anbau, die Verarbeitung und Aufbereitung stehen im Zentrum des Projekts, um eine Ausdehnung des Lupinenanbaus über die Nutzung in der Tier- und Humanernährung zu erwirken. Derzeit koordiniert die LFA 52 Netzwerkbetriebe, bei denen die Lupine in der Saatgutvermehrung, Milcherzeugung oder Humanernährung eingesetzt wird.

Stand 208
Dr. Kai-Uwe Katroschan
Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern
OT Gülzow
Dorfplatz 1
18276 Gülzow-Prüzen
M-V
Telefon: 03843 7890
Telefax: 03843 789111

Informieren Sie sich rund um die Lupine am Stand 208.